Framerate und High Frame Rate

Von optischer Täuschung zu täuschend echter Optik: Was hat es mit dem Umschwung zu hyperrealem Filmbild auf sich?

Schauen Sie gerne Stummfilme? Vielleicht die Buster Keaton-Klassiker oder die Charlie Chaplin Sketche? Dann ist Ihnen sicher schon aufgefallen, dass diese immer ein wenig beschleunigt wirken, was wir oft als besonderes Kennzeichen dieser alten Filme empfinden. Diese Beschleunigung hängt unter anderem mit der damaligen Bildwechselfrequenz zusammen, die im heutigen Jargon der Film- und Videotechnik eher unter „Frame Rate“ bekannt ist. Es handelt sich dabei um die optische Täuschung mit einer Anzahl von Einzelbildern, die in einer bestimmten Zeitspanne aufgenommen und wiedergegeben werden, wodurch sie sich für das menschliche Auge zu einer Bewegung verschmelzen. Ähnlich eines Daumenkinos reichen bereits wenige hintereinander geschnittene Einzelbilder, um eine Bewegung zu simulieren. Je mehr Bilder pro Zeitspanne eingesetzt werden, desto flüssiger erscheint uns die Bewegung. Entsprechend misst man die Frame Rate eines Films in fps, Frames per Second.

Der klassische Stummfilm wurde noch handgedreht und arbeitete deshalb mit einer unregelmäßigen Framerate zwischen 12 und 20 fps. Mit verbesserter Technik und vor allem dem Einsatz von Ton musste sich die Filmindustrie der einheitlichen Synchronisation wegen auf einen Standard einigen und legte sich auf eine Frame Rate von 24 fps fest. Es ist die niedrigste Frame Rate-Geschwindigkeit, um realistische Bewegungsabläufe abzubilden und wird bis heute in Kinofilmen und größeren Serienshows eingehalten. Nach der Einführung des analogen Farbfernsehens erhöhte man die durchschnittliche Framerate des Fernsehens auf 30 Vollbilder pro Sekunde. Auf diese Weise ließen sich zum Beispiel Sportübertragungen mit schneller Bewegung nachvollziehbarer abbilden. Zum Vergleich: Das menschliche Auge kann 10-12 verschiedene Bilder pro Sekunde als individuelle Bilder wahrnehmen. Alles, was darüber geht, wird als Bewegung wahrgenommen. Je mehr desto besser; Könnte man behaupten.

Tatsächlich teilen sich an dieser Stelle die Gemüter. Der zweite Film der Hobbit Saga „Smaugs Einöde“ war bisher das letzte Streitobjekt zu diesem Thema: Er hatte eine unglaubliche Frame Rate von 48 Bildern die Sekunde, doppelt so viele wie üblicherweise für einen Kinofilm eingesetzt werden. Zwar gab es zuvor schon Produktionen mit 60+ fps, doch diese beschränkten sich auf Videospiele und Zeitlupenszenen, die unter anderem auch für Sportevents verwendet werden. Peter Jackson’s Hobbittrilogie markierte den ersten Einsatz von High Frame Rate (kurz HFR) auf der Kinoleinwand. Das Bild des Films war gestochen scharf; und blieb es bei jeder Bewegung. Viele kritisierten dieses neue filmische Format: Der „Kino-Look“ ginge verloren, stattdessen weiche er einem Bild, das wir (negativ) mit dem Fernsehformat von Seifenopern verbinden, und übertrifft dieses sogar um rund 18 fps. James Kerwin, Filmemacher und Professor für Filmwahrnehmung und -bewusstsein an der University of Arizona, weiß, inwiefern uns HFR irritiert: Es ist die Wahrnehmung, die wir besitzen, und die Wahrnehmung, die wir erwarten und, im Falle der HFR-Kritiker, haben wollen.

Wissenschaftlich geht man davon aus, dass der Mensch nur 40 Bilder die Sekunde verarbeiten kann. Der Rest trägt dazu bei, dass wir eine Szene als „real“ wahrnehmen. Liegt eine Darstellung unter dieser Frame Rate von 40 fps, so wie wir es seit der Standardisierung des Films auf 24 bis 30 fps gewohnt sind, erkennen wir eine fiktive, filmische Szene. Eine Frame Rate über 40 fps hingegen erscheint uns in Bild und Bewegung zu detailreich, zu scharf, kurz: Zu real. Diese Eigenschaft beraubt den Betrachter um die „Suspension of Disbelief“ - Die Bereitschaft des Zuschauers, kleine unrealistische Aspekte eines Films, zu akzeptieren und zu übersehen. Sich darauf einzulassen. Wir erkennen in der niedrigen Frame Rate die Fiktivität der Szene und lassen uns willentlich und für den Unterhaltungsgehalt darauf ein. Unsere Irritation mit HFR kommt zustande, weil unser Auge meint die „Realität“ zu sehen sehen und unser Bewusstsein sagt es sei ein Film. HFR ist eine bewusste Entscheidung. Filmemacher versuchen immer wieder den Status Quo herauszufordern und neue Wege zu beschreiten. Bei Sidenstein Medien drehen wir heute meistens mit 50 fps, um Zeitlupen und Hochgeschwindigkeitsaufnahmen in der Postproduktion zu ermöglichen. Das filmische Endprodukt wird dann in den gewohnten und geliebten 25 fps ausgegeben, da sich dieser Weg für den Unternehmensfilm weiterhin hält. Doch wer weiß, vielleicht kommt eines Tages der Kunde der sagt: Trauen wir uns und kreieren etwas Neues. Vielleicht sogar in 48 fps. Vor allem beraten wir Sie natürlich und finden auch technisch genau den richtigen Weg für Ihr Filmprojekt.

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