Stereoskopie auf der IBC Messe Amsterdam

Oktober 2010. Am 10. September 2010 waren wir zu Gast auf der International Broadcast Convention (IBC) in Amsterdam. Das dominierende Thema war „Stereoskopie“, und so hatte fast jeder Aussteller etwas über 3D-Produktionen beizutragen.

 

Stereoskopische Filmproduktion erfordert den Einsatz von 2 Kameras. Gezeigt wurden u.a. verschiedene Rig-Systeme, bei denen beide Kameras auf ein Stativ montiert werden und ein jeweils leicht versetztes Bild aufnehmen, das in der Post-Produktion zusammengefügt wird. Durch die getrennten, sprich stereoskopischen Signale für das linke und rechte Auge entsteht beim Betrachten mit einer Shutter- oder Pol-Brille der räumliche Seh-Eindruck.

Präsentiert wurden zum einen Systeme, bei denen die Kameras parallel nebeneinander (side-by-side) montiert werden, aber auch Systeme bei denen die zweite Kamera um 90° geneigt aufgehängt wird und das Bild über einen halbdurchlässigen Spiegel aufnimmt. Diese Systeme sind mittlerweile so flexibel, dass sie z.B. auch mit einer Steady-Cam eingesetzt werden können. Darüber hinaus gibt es eine Menge Zubehör, so z.B. verstellbare Stativplatten, mit denen sich die Systeme an unterschiedlichste Kameras anpassen lassen.

Die Synchronisation von Schärfe, Blende und Auslösung der beiden Kameras kann in der Praxis eine knifflige Aufgabe sein, aber auch dazu gibt es mittlerweile eine Menge Zubehör, Analysegeräte und etliche praktische Tipps von anderen Kamerateams.

 

In Punkto stereoskopische Kameras machte die mit Spannung erwartete AG 3D-A1 von Panasonic einen eher enttäuschenden Eindruck. Bei dieser Kamera handelt es sich um ein single-body-System mit 2 synchronisierten Objektiven. Das System liefert tatsächlich einen relativ guten räumlichen Eindruck, jedoch entstehen vor allem bei Bewegungen im Bildvordergrund sehr schnell Doppelbild-Effekte, die die Wahrnehmung stark stören. Insgesamt ist der Camcorder eher im semi-professionellen Markt angesiedelt.

Bei Monitoren und Displays geht die Qualität ebenfalls weit auseinander. Ein Großteil der Monitore und Displays liefert z. Z. noch kein befriedigendes 3D-Bild. Auch die Shutter-Brillen empfanden wir meist als unangenehm. Umso beeindruckender waren im direkten Vergleich die Displays von JVC mit Pol-Brille, die immer einen fantastischen räumlichen Eindruck lieferten, auch wenn man sich vor dem Display bewegte oder nicht genau mittig davor stand. Hier macht 3D wirklich Spaß und liefert ein tolles Seh-Erlebnis. Aber man muss eben feststellen, dass z. Z. noch Welten zwischen den einzelnen Produkten liegen.

Auto-stereoskopische Displays, die den räumlichen Eindruck auch ohne Brille hervorrufen sollen, stecken noch im Entwicklungsstadium.

 

Insgesamt war es eine sehr interessante Messe, bei der man die Technik selbst ausprobieren und vergleichen konnte und einen guten Eindruck bekam, wohin sich das Feld momentan bewegt. Bei aller Innovation gilt jedoch bei der Stereoskopie ebenso wie bei der klassischen Filmproduktion: Professionelle, ausgereifte Technik ist die Basis. Mindestens ebenso entscheidend für das Ergebnis ist das Können des Kreativen, der damit arbeitet.

Das zweite große Thema der Messe war "HDSLR", dazu mehr beim nächsten Mal.